Positionspapier: Barßel als starker Wirtschaftsstandort

Wirtschaftsstandort durch kluge Entscheidungen nachhaltig stärken

Eine lebendige und zukunftsfähige Gemeinde braucht nicht nur Wohnraum und gute Lebensqualität, sondern auch eine starke wirtschaftliche Basis. Arbeitsplätze, Dienstleistungen, Handwerk und Industrie tragen dazu bei, dass Menschen vor Ort eine Perspektive finden und dass die Kommune finanziell handlungsfähig bleibt. Auch Barßel steht vor der Aufgabe, den Wirtschaftsstandort zu stärken, um Betriebe zu halten, neue Unternehmen anzuziehen und die Attraktivität für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erhöhen. Dabei hat die Kommunalpolitik mehr Einflussmöglichkeiten, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Infrastruktur. Unternehmen sind auf eine zuverlässige Erreichbarkeit angewiesen. Die Straßen müssen in gutem Zustand sein, der ÖPNV sollte auch Berufspendlerinnen und -pendlern attraktive Angebote machen, und der Radverkehr muss so ausgebaut werden, dass Fachkräfte kurze Wege sicher und komfortabel zurücklegen können. Ebenso wichtig ist die digitale Infrastruktur. Ohne Glasfaseranschluss und stabiles Mobilfunknetz kann heute kein Unternehmen wettbewerbsfähig arbeiten. Barßel muss sich dafür einsetzen, dass der Breitbandausbau zügig vorangetrieben wird und dass in allen Ortsteilen moderne Kommunikationsnetze zur Verfügung stehen. Dies ist nicht nur für Betriebe, sondern auch für Homeoffice-Arbeitsplätze entscheidend, die in der Gemeinde zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Darüber hinaus braucht es eine vorausschauende Gewerbeflächenpolitik. Barßel sollte ausreichend Flächen für die Ansiedlung von Betrieben bereithalten, dabei aber nicht nur an große Unternehmen denken. Gerade auch Handwerksbetriebe und kleinere Start-ups benötigen bezahlbare Grundstücke oder geeignete Räumlichkeiten. Bei der Vergabe neuer Gewerbeflächen ist es wichtig, nicht ausschließlich nach dem Höchstgebot zu entscheiden, sondern nach dem langfristigen Nutzen für die Gemeinde. Ein Konzeptverfahren bei der Vergabe von Gewerbeflächen, bei dem Unternehmen ihre Pläne und die Bedeutung für den Standort darlegen, kann sicherstellen, dass nachhaltige und arbeitsplatzschaffende Betriebe Vorrang erhalten. Zudem sollte die Gemeinde ihr Vorkaufsrecht bei Schlüsselgrundstücken aktiv nutzen. So behält sie langfristig Einfluss auf die Entwicklung und verhindert, dass Flächen spekulativ gehandelt werden oder brachliegen. Ein weiterer Baustein ist die Möglichkeit, auch im Gewerbebereich Erbpacht einzusetzen. Dadurch sinken die Einstiegskosten für Unternehmen, während die Gemeinde Eigentümerin der Flächen bleibt und dauerhaft Einfluss auf die Nutzung ausübt.

Ein weiterer Baustein einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik ist die aktive Anwerbung neuer Betriebe durch die Verwaltung. Barßel sollte nicht nur passiv darauf warten, dass sich Unternehmen ansiedeln, sondern gezielt auf potenzielle Partner zugehen. Dazu gehören Messebesuche, bei denen die Gemeinde sich als attraktiver Standort präsentiert, ebenso wie die direkte Ansprache von Schlüsselindustrien, die zu den lokalen Strukturen passen. Besonders sinnvoll ist es, Unternehmen ins Auge zu fassen, die bereits mit hiesigen Betrieben zusammenarbeiten und durch eine Ansiedlung vor Ort die lokale Wertschöpfungskette stärken könnten. Wenn Zulieferer und Abnehmer in räumlicher Nähe zueinander arbeiten, werden Transportwege verkürzt, Kosten gesenkt und gleichzeitig Umweltbelastungen reduziert. Auf diese Weise können Synergien entstehen, die sowohl den bestehenden Unternehmen als auch den neu angesiedelten Betrieben Vorteile bringen und die Wirtschaftskraft der gesamten Gemeinde erhöhen.

Neben Flächen und Infrastruktur ist der direkte Austausch mit den ansässigen Unternehmen entscheidend. Regelmäßige Wirtschaftsgespräche zwischen Gemeinderat, Verwaltung und Betrieben können helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Ein fester Ansprechpartner in der Verwaltung, eine Art One-Stop-Shop für Unternehmen, würde Genehmigungsverfahren vereinfachen und Bürokratie abbauen. Gerade kleinere Betriebe profitieren davon, wenn sie bei Fragen zu Bau oder Fördermitteln nicht zwischen verschiedenen Stellen hin- und hergeschickt werden.

Die Frage der Fachkräfte ist eng mit der Wirtschaftsförderung verknüpft. Ohne ausreichend Arbeitskräfte können Betriebe weder wachsen noch ihre bestehenden Aufträge erfüllen. Hier kann die Gemeinde indirekt sehr viel tun: mit einem guten Angebot an Kinderbetreuung, verlässlichen Schulen und einer attraktiven Bildungslandschaft. Wer mit seiner Familie in Barßel eine gute Betreuung findet, entscheidet sich eher für den Wohn- und Arbeitsort in unserer Gemeinde. Auch Kooperationen zwischen Schulen, Berufsschulen und Betrieben sollten gefördert werden, damit Jugendliche vor Ort Ausbildungsplätze finden und später nicht abwandern müssen.

Ein weiterer Standortvorteil liegt in der Energieversorgung. Betriebe brauchen Planungssicherheit bei den Kosten. Deshalb ist es sinnvoll, in Gewerbegebieten Synergien zu nutzen, etwa durch gemeinsame Heiz- oder Stromversorgungssysteme, die effizienter und günstiger sind als viele Einzellösungen. Der Ausbau erneuerbarer Energien wie Photovoltaik oder Biogas schafft regionale Wertschöpfung und macht die Gemeinde unabhängiger von Preisschwankungen auf den internationalen Energiemärkten. Auch hier kann die Kommune durch Planung und Vergabe die Richtung vorgeben und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Eine besondere Chance für die wirtschaftliche Entwicklung Barßels liegt in der Energieinfrastruktur. Durch unsere Gemeinde verläuft eine wichtige Gasleitung, die in den kommenden Jahren H₂-ready umgebaut werden soll und künftig Wasserstoff aus den Häfen und den Offshore-Windparks ins Landesinnere transportiert. Diese einmalige Lage können wir nutzen, um gezielt wasserstoffintensive Industrien und innovative Betriebe in unsere Gemeinde zu locken. Unternehmen, die auf klimaneutrale Produktionsprozesse setzen, werden in Zukunft stark nach Standorten suchen, die direkten Zugang zu grünem Wasserstoff haben. Wenn Barßel hier frühzeitig Weichen stellt und entsprechende Gewerbeflächen sowie politische Unterstützung bereitstellt, können wir uns als Vorreitergemeinde für klimafreundliche Industrie profilieren. Dies würde nicht nur zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen, sondern auch die Position unserer Gemeinde im Wettbewerb um Investitionen deutlich stärken.

Neben den klassischen Unternehmen sollten auch Gründerinnen, Gründer und Selbstständige in den Blick genommen werden. In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt können Coworking-Spaces oder kleine Gründerzentren wichtige Anlaufstellen sein. Sie bieten jungen Unternehmen und Freiberuflerinnen bezahlbare Arbeitsplätze, Austauschmöglichkeiten und Zugang zu Netzwerken. Die Gemeinde kann solche Angebote unterstützen, indem sie Räume zur Verfügung stellt oder Kooperationen mit privaten Anbietern eingeht.

Schließlich gehört zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes auch die Attraktivität der Gemeinde insgesamt. Unternehmen siedeln sich dort an, wo Fachkräfte gerne leben. Deshalb ist es wichtig, den Ortskern zu beleben, Gastronomie und Einzelhandel zu stärken und kulturelle sowie sportliche Angebote auszubauen. Eine hohe Lebensqualität ist ein weicher Standortfaktor, der jedoch in Zeiten des Fachkräftemangels immer entscheidender wird. Wer in Barßel nicht nur arbeiten, sondern auch gut leben kann, wird hier bleiben und investieren.

Barßel hat die Chance, den Wirtschaftsstandort durch kluge Entscheidungen nachhaltig zu stärken. Eine aktive Gewerbeflächenpolitik mit fairer Vergabe, die Nutzung des Vorkaufsrechts und die Einführung der Erbpacht auch im Gewerbebereich, eine moderne Infrastruktur, enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen, Investitionen in Bildung und Kinderbetreuung, eine nachhaltige Energieversorgung und attraktive Rahmenbedingungen für Gründerinnen und Gründer bilden die Bausteine einer erfolgreichen Strategie. Auf diese Weise wird unsere Gemeinde auch in Zukunft ein starker und attraktiver Wirtschaftsstandort sein.

Hannes Coners
Ratsmitglied 2021-2026, Ausschuss für Wirtschaft, Planung, Umwelt und Klimaschutz


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