Wir sind Menschen aus der Stadt Cloppenburg, denen eine zukunftsgerichtete Politik für unsere Stadt am Herzen liegt. Aktuell sind wir mit 4 Mandaten im Stadtrat vertreten. Wir engagieren uns sowohl im 2026 gegründeten Ortsverband „Grüne Stadt Cloppenburg“ als auch im Kreisverband Cloppenburg.
Cloppenburg ist unser Zuhause und soll auch für kommende Generationen ein Ort mit hoher Lebensqualität sein. Für die Zukunft der Kreisstadt und der Region setzen wir uns für die Stärkung der Wirtschaft, gelebten Klimaschutz, nachhaltige Energie- und Verkehrspolitik sowie eine soziale & weltoffene Gesellschaft ein.
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Wir haben den Anspruch, Kommunalpolitik als Sprachrohr für alle Bürgerinnen und Bürger zu verstehen und die verschiedenen Lebensrealitäten in unserem Einsatz im Stadtrat Cloppenburg und Kreistag abzubilden. Daher freuen wir uns, dass wir sowohl für den Stadtrat Cloppenburg als auch für den Kreistag zwei starke Teams vorstellen können. Für den Stadtrat Cloppenburg treten 14 Kandidierende an. Für den Kreistag Cloppenburg treten im Wahlbereich 4 Cloppenburg 4 Kandidierende an.
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Die GRÜNE-Fraktion und die UWG (Unabhängige Wählergemeinschaft) bilden im Stadtrat von 2021 bis 2026 die Gruppe »GRÜNE/UWG«.
Ratsmitglieder | Anträge | Anfragen | Reden
29.06.26 –
Rede Michael Jäger B-Plan "Telgen Sand" (Heidemark)
Rat 29. 6. 2028
Anrede,
nehmen wir einmal an, der Schlachtbetrieb DaBe würde nicht existieren. Was würde wohl passieren, wenn dann bei uns ein milliardenschweres internationale Unternehmen anklopfen und sagen würde: „Wir möchten bei euch gerne täglich 480 t Hähnchen schlachten und verarbeiten. Und zwar auf einem Acker im Ortsteil Bethen an der Kellerhöher Straße“?
Ich bin mir sicher: Wir würden das parteiübergreifend ablehnen. Völlig falscher Standort. Ein Fremdkörper in einer gewachsenen dörflichen Struktur am Rand eines Waldgebietes – weit außerhalb klassischer Industrie- oder Gewerbegebiete.
Hier gehört ein solcher Betrieb einfach nicht hin.
Dass der Rat dennoch vor 9 Jahren der Einleitung eines Bauleitplanverfahrens für genau diesen Standort zugestimmt hat, ist allein dem Umstand geschuldet, dass, sich hier mit der Geflügelschlachterei Dartsch ein heimischer Betrieb von einer ursprünglichen Hausschlachtung zu einer bedeutenden gewerblichen Putenschlachterei entwickelt hatte – was eigentlich nie hätte passieren dürfen.
Jetzt aber war dieser Cloppenburger Familienbetrieb nun mal da und genoss Bestandsschutz. Und es galt, die zukünftige Entwicklung dieses Standorts stadtplanerisch zu begleiten und zu steuern und – so hieß es - „dem Betrieb aber auch Grenzen der Entwicklung aufzuzeigen und diese festzulegen.“
Dazu war der Rat bereit – trotz aller Bauchschmerzen.
Dann allerdings wurde DaBe 2025 von Heidemark übernommen. Heidemark wiederum wurde im Februar 2026 an BPO (Boparan Private Office, Birmingham, UK) veräußert. Damit ist aus einem Familienbetrieb in drei Schritten ein Objekt eines internationalen Geflügelkonzerns geworden.
BPO ist das Privatvermögensvehikel des britisch-indischen Unternehmers Ranjit Singh Boparan (Spitzname: „The Chicken King") und seiner Frau. BPO ist die Holdinggesellschaft über einer weitverzweigten Beteiligungsstruktur mit über 5 Milliarden Euro Umsatz und 25.000 Beschäftigten, deren wichtigste operative Einheit die „2 Sisters Food Group“ ist – einer der größten Geflügelfleischproduzenten Europas in Großbritannien, Irland und den Niederlanden. HEIDEMARK gehört nun zur europäischen BPO-Sparte der Storteboom Food Group,
Der Heidemark-Erwerb im Februar 2026 ist für BPO der erste große Schritt auf den deutschen Markt und stellt eine erhebliche wirtschaftliche und geografische Expansion dar, um weitere Martktanteile zu sichern. Heidemark selbst ist der drittgrößte Geflügelverarbeiter Deutschlands mit Standorten in Ahlhorn, Wietzen, Wildeshausen - und nun vermutlich bald auch in Bethen.
Das alles hat mit Bestandssicherung eines heimischen Famienunternehmens nichts, aber auch rein gar nichts mehr zu tun.
Hier geht es um das Expansionsinteresse eines internationalen Konzern, dessen Handeln sich nicht an der Verankerung in der Region und den Bedürfnissen der Standortgemeinde orientiert, sondern ausschließlich an Bilanzen und Marktanteilen.
Wer sich da vorschnell auf kräftige Steuereinnahmen freut, könnte sich bald enttäuscht sehen: Werfen wir mal einen Blick auf die Praxis bei BPO: Die „2 Sisters Food Group“ agiert in Großbritannien als Privatunternehmen ohne öffentliche Konzernabschlüsse. Interne Verrechnungen (z.B. Managementkosten, Lizenzgebühren oder Finanzierungskosten) sind von außen nicht einsehbar. Die komplexe Dreiebenenstruktur BPO → Storteboom → Heidemark bietet erhebliche Gestaltungsspielräume. Und wir dürfen sicher sein, dass hochdotierte Wirtschafts- und Steuerberater diese auch nutzen.
Natürlich hat Cloppenburg Anspruch auf seinen Anteil an der Gewerbesteuer von Heidemark – aber wie viel das in Euro bedeutet, hängt ausschließlich davon ab, ob BPO/Storteboom die Heidemark GmbH steuerlich als profitables deutsches Unternehmen führen oder durch konzerninterne Gebühren und Fremdkapital systematisch in die Verlustzone drücken will. Letzteres ist bei internationalen Privatkonzernen dieser Struktur die Regel, nicht die Ausnahme – und die Stadt hat kein Instrument, es zu verhindern.
Im übrigen: Der Ablauf des bisherigen Verfahrens um die Eigentümerwechsel gab und gibt aus unserer Sicht keinen Anlass, Vertrauen in die Investoren zu entwickeln:
Wir mussten z.B das im Juni letzten Jahres eingeleitete Auslegungsverfahren gleich wieder stoppen, weil sofort nach unserem Beschluss der Betrieb verkauft wurde und wir über weitere Pläne der neuen Eigentümer im Unklaren gelassen wurden. Transparenz geht anders!
Auch durften wir erleben, wie Großkonzerne so agieren. Da werden betroffene Anlieger buchstäblich herausgekauft – gegen die schriftliche Verpflichtung, zuvor erhobene Einwendungen und Forderungen fallenzulassen. Da wird eine professionelle PR-Kampagne inszeniert - wie Konzerne das zur Durchsetzung ihrer Interessen so machen:
- mit wiederholten Anrufen und E-Mails an Fraktionsvorsitzende und Ratsmitglieder,
- mit Einladungen zu sog. „Informationsgesprächen“,
- mit einer orchestrierten Unterstützungskampagne, in der eine Reihe regionaler Unternehmen in z.T. wortgleichen Schreiben für das geplante Vorhaben werben (übrigens insbesondere profitierende Unternehmen wie Brütereien oder Handwerksbetriebe),
- oder mit einer vertraulichen (!) Ratssitzung, auf der die angereiste Konzernspitze ¾ der angesetzten Zeit darauf verwenden darf, ihr famosen Unternehmen in den rosigsten Farben zu präsentieren – und für eine wirkliche Debatte kein Raum bleibt. Ich habe mich da in die Werbeverkaufsveranstaltungen der Seniorenbetreuer versetzt gefühlt, wo bei Kaffeefahrten die Ahnungslosen so lange betextet werden, bis sie die verdammte Heizdecke endlich kaufen.
Bei mir lösen solche Veranstaltungen regelmäßig den gegenteiligen Effekt aus.
Und zu guter Letzt lässt Heidemark am Samstag, zwei Tage vor dieser Ratssitzung (!), über die NWZ verbreiten, man habe jetzt die Verlagerung des Verwaltungssitzes von Ahlhorn nach Bethen beschlossen, wodurch die Beschäftigtenzahl in Bethen von 110 auf 230 steige und damit entsprechend auch die Gewerbesteuer für die Stadt.
Ich kann den Wahrheitsgehalt dieser Meldung nicht überprüfen – es würde mich aber nicht wundern, wenn auch dies wieder eine reine PR-Aktion ist, um uns Sand in die Augen zu streuen und unsere Entscheidung im Konzerninteresse zu beeinflussen.
Es bleibt dabei:
Wir Grüne lehnen die Weiterverfolgung der Planungen an diesem Standort ab. Wir tun dies, weil wir damit rechnen, dass künftig – der Marktlogik eines expandierenden Unternehmens folgend – erneute Erweiterungsbegehren kommen – und dass die Stadt sich dem quasi nicht entziehen kann.
Wir tun dies, weil wir an diesem ungeeigneten Standort Gefahren für die künftige Entwicklung sehen – im Hinblick auf Verkehr, Natur- und Umweltschutz, Anliegerinteressen, Wasserverbrauch u.a.
Und wenn man weiß, dass man eine bestimmte Entwicklung nicht unterstützen kann und will, dann braucht man auch kein Bauleitverfahren.
Michael Jäger
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